Anderer Leute Häuser

Ein Dorfbesuch im Weimarer Land

Stellt euch ein kleines Dorf vor, in dem niemand wohnt. Die Häuser sind komplett eingerichtet nur die Bewohner sind verschwunden. Als hätten sie sich auf einmal in Luft aufgelöst.

Keine Angst, hier ist nichts Überirdisches passiert. Wir sind im Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden, auf einer kleinen Anhöhe außerhalb des eigentlichen Dorfes Hohenfelden.

Die Häuser, die ihr seht, sind hierhergereist. Sie kommen aus unterschiedlichen Gegenden Thüringens und haben alle ihre eigene Geschichte. Und die erzählen sie euch gern; vor allem aber wie sie an diesen Ort gekommen sind.

Alle Türen stehen euch offen

Wenn ihr jetzt denkt, ihr lauft nur übers Gelände und betrachtet Hausfassaden, dann liegt ihr falsch. Es sind nämlich alle Türen geöffnet, zu jedem Haus, jeder Kammer, den Dachböden, Ställen und Gärten. Geht ruhig hinein und schaut euch um. Öffnet die Türen, steigt über die Holzleiter bis unter das Dach und werft einen Blick in die Küchen und Stuben. Da steht noch das Ton-Geschirr auf dem Tisch, Wäsche hängt zum Trocknen am Ofen, daneben die alte Kinderwiege und das Spinnrad. Manchmal finden sich Zeugen eines bescheidenen Wohlstands der letzten Bewohner: ein rotes Sofa, feines Porzellan, eine Uhr an der Wand, kunstvolle Häkeldecken.

Bild und Titelbild: ©Mick Palarczyk, TTG

Mein Lieblingshaus ist der Eichelborner Hof. Er steht so idyllisch in der Sonne mit seinem schmucken Fachwerk. Auf dem Laubengang im ersten Stock bin ich besonders gern. Man kann von oben runter schauen auf den alten Beet- und Obstgarten. Der ist wunderbar wild und duftend. Ob die früheren Besitzer auch Muße hatten am Ende eines langen Tages mit einem Becher Apfelmost hier zu sitzen und den Sonnenuntergang zu betrachten? Wer weiß.

Vielleicht mögt ihr aber lieber die Schmiede und stöbert gern mal in einer Werkstatt herum. Oder in einer Töpferei. Seid ihr schon mal in einer alten Bockwindmühle herumgeklettert? Die Kammer für den Müller ist so klein. Wie er da wohl reinpasste?

Irritierend finde ich die Küchen, oft kleine, finstere Räume. Manchmal ohne Fenster, nur mit Rauchabzug. Es muss mächtig gequalmt haben hier drin. Das sieht man heute noch. Nicht umsonst heißen sie „Schwarze Küchen“.


Wenn ihr jetzt auf den Geschmack gekommen seid, dann plant noch einen Besuch des eigentlichen Dorfes Hohenfelden ein. Das liegt außerhalb des Museumsgeländes. Da könnt ihr nämlich in weitere Häuser schauen. Geht auf jeden Fall in die Alte Dorfschule. Vielleicht zum Abschluss noch ein Foto in den alten Schulbänken? Oder am respekteinflößenden Lehrerpult mit Gerippe dahinter. Man muss auch an die Freunde daheim denken.