Duett auf dem Wasser

Kanufahrt auf der Werra

„Hey, pass doch auf!“ pflaume ich Jannik an. Genervt ducke ich mich unter den tief ins Wasser hängenden Ästen hindurch, als unser Kanu gefühlt zum hundertsten Mal vom Kurs abkommt und eine Wende macht. Zum Glück hat uns Andreas vom Kanuverleih bei der Einweisung erklärt: „Der, der hinten sitzt, hat die Hosen an und sagt, wo‘s lang geht.“ Und: „Derjenige ist aber auch immer verantwortlich, wenn etwas schief geht.“ Also für mich wäre die Schuldfrage eindeutig geklärt. Das sieht Jannik, mein Mann, natürlich ganz anders.

Kanutour auf der Werra

©Carina Wanninger, Rhön GmbH

Landschaft, die sprachlos macht

Und so verbringen wir die erste halbe Stunde unseres kinderfreien, romantischen Ausflugs mit gegenseitigen Schuldzuweisungen. Das fängt ja schon gut an. Irgendwann müssen wir aber über uns selbst lachen, werfen unseren Perfektionismus buchstäblich über Bord und einen Blick auf die Landschaft.

Für ein paar Minuten lassen wir uns einfach in der Strömung treiben und genießen die wunderbar wildromantische und unberührte Natur des Werratals – vorbei an weiten, offenen Auenlandschaften und Wiesen, dann wiederum eingerahmt von Bäumen und Sträuchern, unter gemauerten Brücken hindurch, Ortschaften mit Fachwerkhäusern ziehen vorbei. Die wechselvolle Aussicht ist perfekt zum Abschalten und Runterkommen. 

Wer die Augen offen hält, entdeckt auch etwas verborgenere Schätze über die Ufer hinaus: Entlang des Schlossparks in Meiningen kann ein Blick auf Schloss Elisabethenburg geworfen werden. Und vorbei an der Karnevalshochburg Wasungen zeigen sich Fachwerkhäuser. Vielleicht erhascht man auch das alte Mauerwerk von Schloss Breitungen.

©Andreas Kurth, Rhön GmbH

Besuch aus der Luft

Wir hängen für einen Moment unseren Tagträumereien nach, als plötzlich ein Vogel pfeilschnell an uns vorbeizischt. „Wow, war das ein Eisvogel? Ja eindeutig!“ Schillernd und funkelnd wie ein Saphir kreuzt er ein paar Mal unseren Weg. Wir beide freuen uns jedes Mal wie kleine Kinder über den seltenen Flussbewohner.

Je länger wir unterwegs sind, desto mehr sind Jannik, ich und das Kanu aufeinander eingespielt. Mit der richtigen Portion Gelassenheit umfahren wir jetzt gekonnt kleinere Stromschnellen, seichte Stellen und gleiten durch grüne Weidentunnel, um bei der nächsten Landung im Geäst in prustendes Gelächter auszubrechen.

Titelbild 1 und 3: ©Joachim Negwer, TTG; Titelbild 2: ©Holger Leue, Rhön GmbH

Mehr Informationen

Weitere Infos, auch zum Ausleihen der Kanus, erhaltet ihr hier.


 

Datentabelle