Die Leitern rauf und runter

Auf Umwegen zum Rennsteig

Für die meisten Wanderer beginnt der Rennsteig in Hörschel bei Eisenach und endet in Blankenstein an der Saale. Entlang der Strecke ist das sogenannte „Mareile“ – ein großes, weißes R – ein ebenso charakteristischer wie unverkennbarer Begleiter. Er ist ein Garant für das sichere Navigieren auf Deutschlands ältestem und beliebtestem Fernwanderweg. Dass es sich jedoch wirklich lohnen kann, vom gut markierten Rennsteig abzukommen, davon handelt die Geschichte seiner insgesamt 44 „Rennsteig-Leitern“.

Historische Residenzstädte und malerisch gelegene Bergdörfer, seltene Kulturdenkmäler und atemberaubende Naturräume – kombiniert zu wunderschönen Wanderrouten mit herrlichen Aussichten. All das könnt ihr links und rechts vom Rennsteig, aber stets in direkter Anbindung zum sagenumwobenen Kammweg des Thüringer Waldes entdecken.

Vom Thüringer Wald in die Schweiz

Eine dieser Leitern beginnt im Schleusegrund. Genauer gesagt in Gießübel, inmitten des UNESCO-Biosphärenreservates Thüringer Wald. Der Ort liegt im Tal der Neubrunn, umringt von steilen Bergen. Man könnte meinen, Heidi und ihr Großvater wohnen oben auf einer der Anhöhen. So sieht es hier aus, um den 500-Seelen-Erholungsort. Und der Rennsteig ist ganz nah.

©Bastian Hinz, Regionalverbund Thüringer Wald e.V.

Wer vom Ortskern aus dem Rundwanderweg Naturlehrpfad am Löffelberghüttchen vorbei ins Dachsbachtal folgt, der findet sich schnell in einer märchenhaften Kulisse wieder. Prächtige Blüten seltener Orchideenarten verzaubern euch und der Duft des mit hellgrünem Moos bedeckten Waldbodens liegt angenehm frisch in der Nase. Nur wenige Meter abseits des Weges plätschert im Neuntal ein kleiner Wasserfall. Ein Stückchen weiter oben zeichnen sich im Licht der aufgehenden Sommersonne schemenhaft die Umrisse einer bizarren Felsformation ab. Wie ein steinernes Tor in eine andere Zeit wirkt der Felsen, der von den Einheimischen schlicht „Nadelöhr“ genannt wird. Bedingt durch jahrhundertelange Verwitterung und Abtragung türmt sich das Konglomeratgestein hier heute in seltsam anmutenden Formen.

Überraschende Natur

Wo euch im Thüringer Wald sonst von Wildkräutern bewachsene Bergwiesen und tiefgrüne Fichtenwälder umgeben, überrascht und fasziniert die Gießübler Schweiz mit ihrer felsigen Landschaft. Neben „Nadelöhr“ und Dachsbachkanzel bleibt euch bestimmt der Langertfelsen im Gedächtnis. Sofern euch der Sinn nach einem Kletterabenteuer steht, seid ihr hier genau richtig. Anderenfalls erklimmt ihr das Gestein über eine Eisenleiter. Oben angekommen habt ihr einen fantastischen Ausblick in Richtung Neustadt am Rennsteig.

©Bastian Hinz, Regionalverbund Thüringer Wald e.V.

Während das nächste, gut vertraute „Rennsteig-R“ vom Langertfelsen aus nur noch einen kräftigen Steinwurf entfernt ist, führt der Weg zurück ins Tal durch den Fichtenwald. Hier lauft ihr wieder über den Naturlehrpfad, der mit zahlreichen Schautafeln zur artenreichen Tier- und Pflanzenwelt ausgestattet ist. Längst hat sich auf den letzten Metern dieser acht Kilometer langen Rundwanderung durch die Gießübler Schweiz eine überaus treffende Erkenntnis verfestigt: so viel Abwechslung auf kurzer Distanz – auch das ist der Thüringer Wald!

Rundwanderung

Naturlehrpfad Gießübler Schweiz - Gießübel

Der Wanderweg zeichnet sich durch die einmaligen Konglomerat Felsen der Gießübler Schweiz aus. Auf dem Löffelberghüttchen oder dem Langertsfelsen bieten sich herrliche Ausblicke über die wunderschöne Kulturlandschaft.


 

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