Von Superhelden auf Weltmission

Die Moderne in Weimar

Ich will mehr. Mehr von Experiment und Erfindergeist. Mehr vom Nachdenken über die Gestaltung der Welt. Mehr Geschichten über Aufbruch, mehr von neuen Ideen und ich möchte die kennenlernen, die Einfluss hatten auf das Leben, wie ich es heute genießen darf.

Keineswegs erschlagen, sondern hochmotiviert und inspiriert verlasse ich das neue Bauhaus-Museum in Weimar. Nur einen Steinwurf entfernt sehe ich ein großes Plakat: „Museum Neues Weimar“ – wie verheißungsvoll. Das ehemalige „Großherzogliche Museum“ erzählt mit Kunst und Design von den Aufbrüchen in eine neue Welt. Um 1900 ist Weimar ein Zentrum europäischer Kultureliten. Und so finde ich mich wenige Minuten später Auge in Auge mit einer schnauzbärtigen Kultfigur: Friedrich Nietzsche.


​​​​​​​„Zukunft ist für Nietzsche etwas, das offen ist und uns gehört“ säuselt ein Mann ehrfurchtsvoll neben mir, vermutlich ein „Nietzscheaner“. Doch auch ich habe schon von ihm gehört. Nietzsche bekommt scheinbar viel Aufmerksamkeit, und verdient sie wohl auch.

Nietzsche Superstar

Der Besuch im Museum Neues Weimar hat mich neugierig gemacht und von einer der Bänke im Museum aus, besuche ich den Blog der Klassik Stiftung Weimar, die das Museum führt. „Nietzsche Superstar“ steht da, eine digitale Ausstellung und ein Parcours durch die verschiedenen Museen und Ausstellungen in Weimar.

Bild und Titelbild: ©Thomas Müller, Klassik Stiftung Weimar; die Klinger-Büste aus der Sammlung Burger wurde erworben mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung

Nietzsche liest. Nietzsche schreibt. Nietzsche komponiert. Doch wer war er eigentlich und woher stammt sein Kultstatus? Das erfahre ich dort – ihr bei eurem Besuch auch! Als Nietzsche am 25. August 1900 in Weimar starb, hatte er sich bereits zu einem kulturellen Weltereignis verwandelt. An seinem Ruhm hatte das Nietzsche-Archiv in Weimar erheblichen Anteil – und zuletzt wohl auch seine äußerst ehrgeizige Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche, die mutmaßlich sogar seine Briefe fälschte. Skandalös, aber offensichtlich effizient.

Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900

Bei meinem Besuch wird mir schnell klar, dass die Werke des Realismus, Impressionismus und des Jugendstils – soweit die Anwendung meines Wissens aus der Oberstufe – sowie deren Persönlichkeiten gleichsam eine glanzvolle wie auch eine widersprüchliche Epoche mit Bezügen zu unserer Gegenwart darstellen. Wenig aufdringlich wechseln die Farben an den Wänden während sowohl schwarz-weiß-flimmernde Filme und Bilder als auch überraschend lebendige Exponate und Texte mir von einem Damals berichten, welches präsenter nicht sein könnte. Keine Angst, nach diesem Museumsbesuch klopft man sich nicht den Staub von der Schulter. Ganz im Gegenteil.

Etwas verwundert bin ich über die Aktualität der Designobjekte von Henry van de Velde im Erdgeschoss. Die könnten auch meine Wohnung schmücken, denke ich, und überlege, ob der Frisiertisch wohl in mein Auto passen würde.

Im Untergeschoss des Museums angekommen höre ich fröhliches Gemurmel und hämmern. In der großen Museumswerkstatt können Besucher, nun vollends inspiriert durch die neuen Ideen, selbst handwerklich tätig werden, zum Beispiel im Buchbindehandwerk und in der Holzbearbeitung.


​​​​​​​Und das beste daran? Es ist zugleich ein Werkcafé. Womit ich mich nun genussvoll einer herkömmlichen Tasse Kaffee aus dem diesseits widme...