Barockes Universum

Schloss Friedenstein in Gotha

Ob der Bauherr sich hier zurechtgefunden hat? 1.268 Fenster und 500 Räume hat das Schloss, das Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha ab 1643 in nur zwölf Jahren erbauen ließ. Heute beherbergt es Millionen von Exponaten – wenn man alle Stücke der Insektensammlung mitzählt.

Kunstkammer, Museum der Natur, Historisches Museum, Herzogliches Museum, Thüringisches Staatsarchiv und Forschungsbibliothek – Gothas riesiges Schlossensemble ist eine wahre Schatztruhe, denn alle Sammlungen haben sich seit über 350 Jahren hier erhalten. Friedenstein ist quasi der Louvre Deutschlands.

©Thomas Walkling, Schatzkammer Gotha

Außen hui, innen noch mehr hui

Das Schloss thront auf einer Anhöhe am Rande der Stadt. Mächtig ist es mit seinen vier Flügeln. Friedenstein ist äußerlich freilich nicht mit dem Louvre zu vergleichen; ist es doch eher bescheiden ausgeschmückt. Der Herzog aber beabsichtigte die größtenteils nicht verzierte und schlichte Bauweise – er wollte Klarheit von Form und Funktionalität. Im Inneren sieht das ganz anders aus. 

Außergewöhnlich prachtvoll sind die weitgehend unveränderten historischen Wohn- und Repräsentationsräume ausgestattet, die aus Barock, Rokoko und Klassizismus stammen. Das lässt wiederum auf die lange Geschichte der Schlossanlage schließen.

Dass hier so viel erhalten geblieben ist, ist unter anderem Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg zu verdanken. Der Urenkel des Schlosserbauers blieb im Siebenjährigen Krieg mit seiner Gemahlin in Gotha, um Verwüstungen und Plünderungen durch gegnerische Truppen vorzubeugen.

Bild und Titelbild: ©Marcus Glahn, Schatzkammer Gotha

Hoher Besuch

Die beiden, Herzog Friedrich und seine Frau Luise Dorothea, empfingen des Öfteren hohen Besuch: So war Voltaire fünf Wochen zu Gast. Der französische Philosoph war auch darüber hinaus präsent. Seine von der Zensur nicht selten verbotenen Bühnenstücke führte das Herzogspaar höchstselbst im Hoftheater auf; dem heutigen Ekhof-Theater. Hierher lohnt sich ein Abstecher – wenn nicht mit Führung dann aber zum Ekhof-Festival, welches das barocke Theater wieder mit Aufführungen zum Leben erweckt.

©Marcus Glahn, Schatzkammer Gotha

Zweimal empfing das Herzogspaar auch Friedrich den Großen. In den Schlossräumen erinnern viele Details an diese Zeit. So finden sich Gemälde oder die geliebte Porzellansammlung der Herzogin, die selbst Friedrich der Große einst bewunderte. 

Ein Herzog im Hausmantel

Ansonsten ließen es sich Herzog und Herzogin gern gutgehen. Ob nun in geschäftlichen Angelegenheiten, bei Familientreffen oder als pures Freizeitvergnügen: Sie unternahmen gern und oft Ausflüge nach Eisenach, Molsdorf, oder Weimar. Friedrich speiste gut, besichtigte die Sehenswürdigkeiten, genoss die Abwechslung und bewegte sich bei schönem Wetter an der frischen Luft. Im Alter schätzte er besonders die Heilquellen in Ronneburg und hielt sich dort jedes Jahr für mehrere Wochen zur Kur auf. Für ihn war dies auch eine willkommene Gelegenheit, in entspannter Atmosphäre Verwandte zu treffen.

©Udo Bernhart, TTG

Friedrich III. zog seine Gattin als Ratgeberin in die Regierungsarbeit mit ein und übertrug ihr politische Korrespondenzen. Deren Leidenschaft wiederum galt der Literatur und Philosophie der Aufklärung. Klug vernetzte Luise Dorothea Gotha als Ort von Kunst und Wissenschaft im europäischen Geflecht der Hochkultur.

Eigentlich könnte der Herzog nebst Gemahlin auch heute noch als Botschafter für Thüringen auftreten. Entspannt Kunst, Kultur und Natur genießen. Da zeigt sich sogar ein Herzog mal im Hausmantel und freut sich auf die Besucher.