Der schlafende Kaiser im Kyffhäuser

Pssst… er schläft noch

Besser ihn noch nicht zu wecken, steht man doch auf dem Berg, in dem er der Sage nach schlafen soll. Seit vielen hundert Jahren. Wer wäre da kein Morgenmuffel…

Tief unten im Berg, verzaubert in einem unterirdischen Schloss, soll er schlafen, so lange, dass sein glutroter Bart schon durch den Tisch gewachsen ist. Alle hundert Jahre lässt er nachschauen, ob die Raben – ein Zeichen des Bösen – noch um den Berg fliegen. Wenn sie nicht verschwunden sind, muss er für weitere hundert Jahre verzaubert ruhen: Kaiser Barbarossa.

Friedrich I. ist ein Mythos und inspirierte als Sinnbild eines geeinten Reichs Dichter und Schriftsteller zur Sage des ewig schlafenden Herrschers. Bekannt machten die Sage um den Kyffhäuser Anfang des 19. Jahrhunderts keine Geringeren als die Brüder Grimm mit ihrer Geschichte „Friedrich Rotbart auf dem Kyffhäuser“ und Friedrich Rückert mit seinem Barbarossa-Gedicht. Auch wenn in den Erzählungen heute vielleicht Uneinigkeit darüber herrscht, ob der Bart nun ein- oder zweimal um den Tisch gewachsen ist, so verlieren sie bis heute nicht ihre Mystik und mahnen manchen auch zum Haarschnitt.

Barbarossa auf der Spur

Sichtbar und in Stein gemeißelt ist die Legende um Kaiser Barbarossa am über 120 Jahre alten Kyffhäuser-Denkmal. Hoch oben thront es über dem sagenumwobenen Kyffhäusergebirge. Er scheint gerade zu erwachen auf seinem herrschaftlichen Thron – der mittelalterliche Kaiser, im roten Sandstein verewigt. Direkt über ihm reitet Kaiser Wilhelm I. stolz voran, gern auch der „Weißbart auf des Rotbarts Thron“ genannt.

Doch drehen wir den Herrschaften einmal sträflich den Rücken zu und gönnen ihnen ihre Ruh. Wer einmal die 250 Stufen des gut 80 Meter hohen Denkmalturms erklommen hat, wird mit einem fantastischen Ausblick über den Naturpark Kyffhäuser belohnt. Wie in Zeiten der Raubritter umgibt uns der Wald, in der Ferne schauen wir über die Goldene Aue. Schon im Mittelalter stand hier an dieser Stelle die imposante Burg Kyffhausen mit dem tiefsten Burgbrunnen weltweit. Zum Glück können wir auch heute in den Brunnenschacht spähen. Auch virtuell ist eine Brunnenfahrt möglich. Dabei entdecken wir so manchen Schatz, der im Laufe der Jahrhunderte im Brunnenschacht gelandet ist. Zu verführerisch, einmal selbst etwas Glänzendes beim Fallen zu beobachten.

Ein Palast untertage

Doch wo verbirgt sich nun das sagenhafte unterirdische Schloss von Kaiser Rotbart? Als Bergleute 1865 auf der Suche nach Kupferschiefer zufällig natürliche Hohlräume entdeckten, haben sie wohl geglaubt, es gefunden zu haben. Schnell war der Name Barbarossahöhle gefunden. Es ist eine geheimnisvolle Welt mit bizarren Steingebilden sowie kristallklaren, blaugrün schimmernden Seen – und eine geologische Rarität! Weltweit gibt es nur zwei Schauhöhlen im sogenannten Anhydritgestein. Ein besonderes Erlebnis auch ohne Geologie-Studium sind die alljährlichen Lichterwelten, die die Barbarossahöhle in ein spektakuläres Farbenmeer tauchen.