Den Urwald vor der Haustür

Nationalpark Hainich

Wenn man Urwald hört, denkt man automatisch an ferne Länder und sieht sich entlang des Amazonas durch das Dickicht kämpfen. Urwälder gibt es allerdings überall, auch in Europa, sogar hier in Thüringen. Bitte festes Schuhwerk anziehen und auf in den Nationalpark Hainich.

Natur Natur sein lassen

Bild und Titelbild: ©Jens Fischer

Der Hainich gehört zu den letzten Überbleibseln der Urwälder, die einst weite Teile Mitteleuropas bedeckten. Hier darf die Natur wachsen, wie sie will. Dicke, alte Baumstämme ragen hoch in den Himmel. Vor allem Buchen regieren hier. Zwischen den holzigen Riesen liegen modrige Bäume und abgebrochene Baumteile strecken sich mit letzter Kraft in die Höhe. Ich lerne, dass es sich hierbei um Totholz handelt. Diese toten Bäume sind wiederum Heimat von Pilzen, Moosen oder Getier wie Käfern.

Das dichte Blätterkleid der Buchen lässt nur wenig Licht zum Waldboden durchscheinen. Es ist richtig mystisch und wild hier. Ganz ruhig, schön zum Beobachten und Lauschen. Da krabbelt ein Käfer, in der Ferne klopft ein Specht, dort hinten raschelt es in den Farnen. Die rund 10.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten werdet ihr nicht alle zu Gesicht bekommen. Wer aber aufmerksam ist, entdeckt einige Urwaldbewohner. Wenn nicht hier am Boden, vielleicht von etwas weiter oben?

In den Wipfeln des Baumkronenpfades

Bild und Titelbild: ©TTG

Also steige ich dem Wald einmal aufs Dach. Leider nicht wie Tarzan von Liane zu Liane schwingend, dafür aber mit festen Brettern unter den Füßen.

Hier oben – auf bis zu 24 Metern Höhe – verläuft der Baumkronenpfad. Der Rundgang schlängelt sich durch die Baumwipfel des Nationalparks. Sanft weht der Wind. Die Blätter neben mir wispern. Wenn ihr mutig seid, empfehle ich den Aufstieg zum höchsten Punkt des Rundgangs. Der Aussichtsturm steht 42 Meter über dem Erdboden. Von hier habt ihr eine atemberaubende Aussicht, Bäume soweit das Auge reicht. Im Herbst lohnt sich ein Besuch besonders: Da zeigt sich eine umfangreiche Farbenpracht – von Gelb über Orange bis hin zu Rot schillern die Blätter.

Auf Samtpfoten durch den Wald

©Jens Fischer

Der Perspektivwechsel tut gut. Allerdings habe ich von oben noch weniger Glück, einen seltenen Bewohner des Waldes zu entdecken: die Wildkatze. Selbst die geübten Augen der Nationalpark-Ranger bekommen die pelzigen Tiere nicht oft zu sehen. Im Hainich leben aktuell etwa 40 Tiere im Verborgenen. Wenn ihr einen Blick auf die scheuen Wildkatzen werfen wollt, besucht das Wildkatzendorf in Hütscheroda – nur einen Katzensprung vom Baumkronenpfad entfernt.

 

Titelbild: ©Marco Fischer, TTG

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