Die Qual der Wahl

Altenburger Schlosserkundung

Ich stehe im bucklig gepflasterten Hof inmitten des Residenzschloss-Ensembles in Altenburg. Hier geht stilistisch einiges durcheinander. Dann sieht es vermutlich auch im Inneren bunt aus. Eine schnelle Internetrecherche hat mehrere Möglichkeiten für mein Nachmittagsprogramm ergeben. Womit fange ich an? Porzellan? Rüstkammer? Spielkarten? Oder doch „Fürstliche Wohnwelten“?

Entführern auf der Spur

Ein echter Krimi scheint jedenfalls der legendäre „Prinzenraub“ gewesen zu sein, der hier stattgefunden hat. Ich sehe es vor mir: Es ist die Nacht vom 7. zum 8. Juli 1455. Die Söhne von Friedrich dem Sanftmütigen, Ernst und Albrecht (14 und 11 Jahre alt) sind so gut wie allein im Schloss. Der Kurfürst ist auf Reisen, der restliche Hofstaat bei einer Hochzeitsfeier. Freie Bahn für Ritter Kunz von Kaufungen und seinen Trupp aus 30 Reitern. Ein Küchenjunge hat die Lage vorher für ihn ausspioniert. Er öffnet den Entführern das Tor. Kunz will mit Gewalt „sein Recht“ erpressen, ihm zustehenden Kriegslohn, den ihm der Kurfürst vorenthält. Der Plan geht jedoch schief. Albrecht gelingt schon kurz nach der Entführung die Flucht. Ernst wird einige Tage später befreit. Die Entführer werden gefasst. Ein Happy End, wenn auch nicht für Kunz und seine Leute. Sie verlieren Kopf und Leben. Das Ganze war angeblich ebenso skandalös wie peinlich für den Kurfürsten und wurde daher nicht öffentlich thematisiert. Das setzte die Legendenbildung in Gang. Ich erhoffe mir grausige Details in der Ausstellung zu finden.

Beim Skat mitmischen

Mein Plan für den Nachmittag nimmt weiter Gestalt an. Nach der Erkundung von Schlossgeschichten und Wohnwelten werfe ich auf jeden Fall einen Blick ins Spielkartenmuseum hier auf dem Schlossareal. Schließlich bin ich in der Geburtsstadt des Skatspiels, woran mich schon der Brunnen auf dem Brühl erinnert hat. Und vielleicht kann ich zuhause dann mit meinem neu erworbenen Wissen angeben. Die Ausstellung scheint recht umfangreich zu sein und soll zu den größten in Europa gehören. Ich bin gespannt. Auch auf die „Skatheimat“, einem 6 x 5 Meter großen Raum mit Kreuzgewölbe. „Skatmaler“ Otto Pech soll ihn reich mit Kartenmotiven verziert haben. Was es alles gibt…

Ob ich vielleicht noch auf einen der Türme steigen kann. Zum Abschluss wäre ein Bild des Schlosskomplexes von oben doch ganz schön, oder?

Bild und Titelbild: ©Alexander Michel, TTG

Titelbild: ©Jens Hauspurg